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Wieso schläft eine Frau dann überhaupt mit einem Mann?

Blog 75


Anders gesagt: Taugt am Ende des Tages der Sex mit einem Mann für die Frau nicht eigentlich nur noch dazu, ihr ein Kind zu machen?

Für ihre sexuelle Befriedigung scheint er ja offenbar so überflüssig wie ein Kropf.

Am Ende ist der Sex stets eher eine Gunst und Gefälligkeit, welche die Frau dem Mann erweist, als dass sie ihm selbst Lust abgewänne. Wirklich ehrlich sind also nur die Frauen, die erst gar nicht so tun, als würde es ihnen nicht minder gut gefallen.

Wieso schläft eine Frau dann überhaupt noch mit einem Mann?

Antwort: Es ist ein reines Entgegenkommen, eine ganz uneigennützige Geste. Es ist immer nur eine gutmütige Kulanz und selbstlose Gefälligkeit – um nicht zu sagen, Herbeilassung, Herablassung! – seitens der Frau, wenn sie sich für den Mann um seiner Lust willen flachlegen lässt und dabei ihm oder sich selbst noch dazu schmeichlerisch einen Genuss vortäuscht, den sie in Wahrheit nicht hat!

Wie gehabt: Die Geschlechter passen sexuell nicht sonderlich gut zusammen. Sie passen aber vielleicht in der Liebe zusammen!

Eine liebende Frau wird ihrem Mann den Gefallen jederzeit tun und sich ihm kaum je verweigern, wenn's ihn danach verlangt. Oder sie zieht ihren Geliebten gar gleichwie in schlafwandlerisch-mechanischer Zärtlichkeit über sich, ihn von sich aus dazu einladend! „Warum komm ich nicht selber auf die Idee? Warum verführe ich ihn nicht mal“, fragt die ehrliche Elizabeth Kiehl in Charlotte Roches ,Schoßgebete', „warum muss er das immer bei mir machen? Für ihn war es sehr erniedrigend, andauernd einen Korb zu kriegen und der Initiator für unseren Sex zu sein. Hat oft zum Streit geführt. Ich hätte lügen müssen, wenn ich behauptet hätte, dass ich Lust auf Sex hatte. Hatte ich kein einziges Mal. Habe nur mitgemacht, um ihm einen Gefallen zu tun...“

Harry erinnert sich der Antwort Béas, als er ihr einmal mit der gewagten Frage kam, wie es eigentlich für sie sei, mit Federico zu schlafen: Es sei ein so schönes Gefühl! erwiderte sie.

Ein schönes Gefühl, psychologisch vielleicht, den geliebten Mann körperlich in sich zu spüren, – nicht unbedingt aber auch, weil es ihr echte sinnliche Lust bereitet: von ihrem Orgasmus sprach Béa nicht.

Die Frau wird das libidinöse Verlangen des Mannes, auch wenn sie selber keins dabei hat, einfach als Beweis dafür nehmen, dass er sie nach wie vor liebt – und da es sie danach verlangt, von ihm geliebt zu werden, wird sie seinem Verlangen nicht nur willig willfahren, sondern ihn fallweise sogar dazu animieren.

Eine spröde oder narzisstisch selbstgenügsame Partnerin dagegen wird immer erst eigens, bis an den Rand einer schriftlichen Einladung, dazu aufgefordert und angebettelt werden müssen. „Wehe dem“, warnt in Lion Feuchtwangers Roman ,Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis' der Philosoph Kleanthes, „der in den Schoß einer Hedonikerin fällt!

In den Schoß einer Klitoromanin nämlich, die es vorzieht, sich sexuell in der Selbstbefriedigung selbst zu genügen!

Im Grunde scheint das nichts Neues. Aus welchem Grund sollte, wenn es keinen vaginalen Orgasmus gibt, die Frau überhaupt mit einem Mann Vaginalverkehr haben wollen – es sei denn aus dem Wunsch, dabei schwanger zu werden? Sie weiß ja, dass er beim Koitus sein Ding nur zu seinem eigenen Vergnügen in ihrer Vagina scheuert. Davon hat sie aber, wenn ihr Orgasmus ausschließlich klitoraler Natur ist, soviel wie gar nichts!

Aber selbst wenn der Mann auf den Gedanken kommt, die Frau vorher, nebenher oder hinterher auch klitoridal befriedigen zu wollen, muss das für sie stets schon insofern defizitär und unbefriedigend bleiben, als sie es selber für sich viel besser kann. Fühlt sie dennoch diesen Willen bei ihm heraus – so die Philosophien Simone de Beauvoir, die es eigentlich wissen sollte –, „lehnt sie sich auf: Vielen ist es zuwider, sich mit der Hand liebkosen zu lassen, weil die Hand ein Werkzeug ist, das an der Lust nicht teilhat, die sie verschafft, weil sie Tätigkeit und nicht sinnliches Empfinden ist. Und wenn der Geschlechtsteil selbst nicht erregte Sinnlichkeit ist, sondern als ein geschickt verwendetes Werkzeug erscheint, empfindet die Frau denselben Widerwillen. Darüber hinaus scheint ihr jeder Wiedergutmachungsversuch die Unmöglichkeit nur zu bestätigen, die Empfindungen einer normalen Frau kennenzulernen…

Der Mann begeht einen schweren Fehler, wenn er seiner Partnerin seinen eigenen Rhythmus aufzwingen und sich hartnäckig darauf versteifen will, ihr einen Orgasmus zu verschaffen. Oft erreicht er dabei nur, dass er die Form der Wollust zerstört, die sie auf ihre besondere Art zu durchleben begonnen hatte.“

Dazu nämlich, zu ihrem – wesentlich klitoridalen – Orgasmus, braucht sie ja keinen Mann, – ja sogar, falls sie eine Lesbe ist, nicht mal eine andere Frau! Ein Pfuscherirrtum nämlich, zu glauben, der oder die Geliebte könnte irgend von außen her die gleichen Wirkungen erzielen, wie sie die Frau nur für sich selbst mit ihrer Phantasie von innen heraus hervorbringen kann! Warum also sollte die Frau überhaupt mit einem Partner, und sei's mit einer andern Tribade, koitieren?

Harry erinnert sich der mancherlei Gelegenheiten, wann immer er aus einer Runde von Frauen, und zwar stets mit dem Eindruck absonderlicher Befremdung, einen Gesprächsfetzen über die sexuellen Gewohnheiten ihrer Ehegatten mithörte: Stets war nur davon die Rede, wann und wie und wie oft in der Woche ihre Göttergatten ,es brauchten', ihnen an die Wäsche gingen und zudringlich wurden, – niemals aber war davon die Rede, dass sie selber es wollten oder von sich aus Bock darauf gehabt hätten. Ganz so, wie Elizabeth Kiehl es beschreibt.

Jetzt dagegen versteht Harry es, und das Gefühl der Befremdung weicht einem späten Aha-Erlebnis und biografisch ziemlich retardierter Erkenntnis!

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