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Was sagt das Netz zur Wollust der Frau – 3?

Blog 68


Abschließend im Netz zu Anke Schaefers ,Das Ende der Mystifizierung' unter ,Deutschlandfunk Kultur':

„Orgasmus kann auch Mittel zum Zweck sein

Diana Richardson: ,Frauen neigen dazu, ihre Vagina bewusst zu verengen. Besonders bei harten Stößen, wenn es etwas aggressiver wird und der Gebärmuttermund verletzt werden könnte. Deshalb ist es so wichtig, dass ein Mann ganz bewusst in die Frau eindringt. Wenn sie spürt, ihr Partner ist wirklich achtsam, erst dann kann sie die Vagina weiten. Und dann kann dieser wunderschöne Austausch zwischen Penis und Vagina geschehen.'

Eva: ,Im Vorfeld war viel die Vorstellung – ja, heißt das jetzt, dass wir alt sind, wenn wir diese Art von Sex machen? Für mich hat Sexualität viel damit zu tun, dass wir so eine gegenseitige Bestätigung daraus ableiten. Was auch so eine Falle ist: Also, wenn der Mann eine starke Erektion hat, dann fühle ich mich sehr stark bestätigt. Wenn ich einen Orgasmus habe, dann fühlt er sich bestätigt.

Es ist mehr so dieses Sich-Verabschieden davon, ich suche eine Bestätigung dafür, dass ich jung, attraktiv, spannend bin. Sondern ich suche eine echte Verbindung, ich suche einen Ort, wo ich wirklich sein kann, wo alles das, was in mir drin ist, auch hoch kommen darf, wo das alles einen Raum hat, wo man sich auch gegenseitig annehmen und wahrnehmen kann damit.'

Der Orgasmus kann also auch Mittel zum Zweck sein: Bestätigung geben, Bestätigung bekommen. Viele Frauen wollen darauf nicht verzichten. Auch nicht auf den eingeübten Ablauf von Erregung, Höhepunkt und Entspannung.

Psychotherapeutin: vom Orgas-Muss zum Orgas-Kann

Die Psychotherapeutin Dania Schiftan meint, erfüllende Sexualität sei erlernbar. Die Schweizerin beschreibt in ihrem Buch ,Coming Soon', wie Frauen in 10 Schritten zum vaginalen Höhepunkt kommen können. Das geht vom Kennenlernen der Anatomie über das bislang verwendete Erregungsmuster, hin zum Erkunden der sexuellen Vergangenheit. Und ganz wichtig, schreibt die Schweizerin, seien unterschiedliche Bewegungen.

Die ,Beckenschaukel' ist eine der zentralen Stufen auf der 10-Schritte-Leiter:

Einige Frauen spannen den Körper stark an, um ihre Erregung zu steigern, und sollten sich deshalb beim Sex und bei der Selbstbefriedigung mehr bewegen. Schaukle hin und her, lass dein Becken kreisen, rekle dich, wechsle ab und variiere dein Tempo, mal sanft und mal intensiver. Bewegung ist einer der wichtigsten Faktoren beim vaginalen Orgasmus und für den erfüllten, ganzheitlichen Sex.

Schreibt Dania Schiftan in ,Cooming Soon'.

Frauen sollen sich mehr entspannen und vom ,Orgas-Muss' zum ,Orgas-Kann' übergehen. Und dann sollten Frauen, meint Dania Schiftan, die Vagina aus ihrem Schlaf wecken. Sie ertasten und sie trainieren – also auch regelmäßig masturbieren.

Damit wir bei der Stimulation wirklich etwas spüren, müssen sich in der Großhirnrinde erst Synapsen bilden. Sie bilden sich erst, wenn die Nervenendigungen im Geschlecht oder anderswo häufig genug Impulse an die entsprechende Gehirnregion schicken. Einer der Gründe, warum viele Frauen nicht durch die Reizung ihrer Vagina zum Höhepunkt kommen, ist demnach, dass die Vagina noch nicht so erfahren und sensibilisiert ist, wie sie es sein könnte.

Wieder Dania Shiftan, ,Coming Soon'.

,Frauen können tiefe orgastische Erfahrungen machen'

Auch in den Seminaren von Diana Richardson bewegen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel. Sie schütteln sich, massieren sich gegenseitig, tanzen. Der ganze Körper soll in Schwingung kommen, weich werden und biegsam.

,Meine Erfahrung aus 25 Jahren Arbeit mit Paaren und Frauen ist, dass wir die Vagina nicht trainieren brauchen. Sie ist dafür gemacht, den Penis zu empfangen. Dazu muss sie weich und ganz sensitiv sein. Aber wenn wir glauben, dass sich im Sex alles um den Orgasmus dreht, dann stimulieren wir meist die Klitoris und ziehen die Vagina zusammen. Auf lange Sicht verliert die Vagina so ihre Sensibilität.

Der Penis ist ein Kanal für Energie, die Vagina ist dazu gemacht, diese Energie zu empfangen. Um das zu erleben, dürfen Männer nicht viel tun, in der Frau, denn wenn sie mit dem Rein-Raus viel Spannung erzeugen, dann desensibilisiert auch das die Vagina. Das macht ihre Wände härter.'

Diese Erfahrung zu vermitteln, das ist der Slow-Sex-Lehrerin wichtig. Zumal sie davon überzeugt ist, dass die Klitoris eben nicht das Zentrum der weiblichen Sexualität ist.

,Die Brüste sind der Bereich, von dem aus sich der weibliche Körper in eine tiefere Ebene hinein öffnet. Die Klitoris baut Erregung auf, das ist nett, aber so folgt keine tiefe Öffnung des weiblichen Körpers. Tatsächlich sind die Brüste das Zentrum der weiblichen Sexualität.

Von den Brüsten geht die Energie aus. Nach einer Weile geht diese Energie in Resonanz mit der Vagina, dann kann sich die Vagina wirklich öffnen, ganz anders, als wenn sie erregt wird. Das macht auch den großen Unterschied zwischen Männern und Frauen aus. Männer sind – allgemein gesprochen – ziemlich schnell zum Sex bereit. Der weibliche Körper ist anders. Und das wird oft nicht genug gewürdigt.'

Frauen brauchen einfach länger, und das nicht, weil sie frigide sind oder keine Lust haben, sondern weil die sexuelle Energie sich ihren Weg erst von den Brüsten zur Vagina bahnen muss – so sagt Diana Richardson.

,Durch die Brüste und die Energie, die durch den Körper fließt, können Frauen tiefe orgastische Erfahrungen machen. Das ist etwas ganz anderes als der eine Höhepunkt und die sich daran anschließende Entspannung. Das ist ein Gefühl des Aussendens von Energie und auch über den Körper hinaus. Ein glückseliger orgastischer Zustand. Und du fühlst dich eins mit der Natur. Das kann mit einem Mann passieren, das kann aber auch passieren, wenn du allein bist.'

Muster hinterfragen, Achtsamkeit trainieren

Martina: ,Ganz früher habe ich das von außen betrachtet. Und dann war ich da nebenbei im Spiel und habe gar nicht so viel empfunden. Ich habe mich von außen betrachtet, weil ich wollte, dass der Partner mich schön findet, mich toll findet und auch jetzt die Situation gut findet und befriedigt wird und befriedigt da rausgeht, ohne auf mich selbst zu achten.'

Elke: ,Ich habe früher vorgetäuscht. Das mache ich heute nicht mehr. Muss ich dazu sagen, dass ich auch schon 68 bin und eine ganz andere Erfahrung habe. Da hat sich viel verändert bei mir.'

Muster hinterfragen, Achtsamkeit trainieren, das ist wichtig, für Frauen und für Männer. Denn auch sie, auch die Männer stehen unter Druck, sagt Diana Richardson.

,So viel Stress wegen der Erektion. Männer stehen unter großem Performancedruck. Da geht es auch um Versagensängste. Wird es funktionieren, wird der Penis hart, welche Fantasie, welcher Porno-Gedanke kann mir helfen, was brauche ich um eine Erektion zu kriegen. Solche Gedanken können einen Mann auffressen. Aber es gibt auch die Option, Liebe zu machen mit nicht erigiertem Penis.'

Und zwar dann, wenn der Orgasmus nicht mehr im Zentrum steht. Denn genau das, da sind sich Wissenschaftler und Sexualtherapeuten einig, führt zu Stress. Vielleicht ist unser sexuelles Leben überhaupt ein Spiegelbild unseres gesamten Lebens? Dieser Hunger nach dem Höhepunkt, nach der Erregung? Vielleicht sollten Männer und Frauen zusammen neue Wege erforschen? Schlicht, indem wir mehr in unseren Körper hinein spüren? Ja, sagt Diana Richardson, genau darum geht’s.

,Es geht darum, unser Denken zu verändern. Der Körper ist perfekt, aber wir haben das Vertrauen in ihn verloren, wir hören nicht mehr auf ihn. Ich habe einige Bücher geschrieben und die Frauen kommen zu mir und sagen: Das habe ich doch schon immer gewusst! Also, wir wissen, was uns gut tut. Würden wir mehr auf unsere Körper hören, anstatt ihnen was vorzuschreiben, hätten wir eine ganz andere Ausstrahlung. Männer und Frauen – und während wir Sex haben.'

,Frauen kommen zu mir und sagen: Das habe ich doch schon immer gewusst! Also, wir wissen, was uns gut tut.' Das glaube ich sofort. Seminare und Bücher dürften sich da erübrigen!

In „10 Schritten zum vaginalen Höhepunkt“ und vom ,Orgas-Muss'zum ,Orgas-Kann' übergehen? Dafür sollten die Frauen laut Dania „die Vagina aus ihrem Schlaf wecken, sie ertasten und sie trainieren“, – und dazu also doch wieder „regelmäßig masturbieren“!? Ohne die weibliche, und noch dazu regelmäßige, Masturbation geht es also auch hier wieder nicht?

Einer der „Gründe, warum viele Frauen nicht durch Stimulation ihrer Vagina zum Höhepunkt kommen, ist demnach, dass diese noch nicht so erfahren und sensibilisiert ist, wie sie es sein könnte“, – eine Erfahrung und Sensibilisierung die sie aber nur durch regelmäßige Masturbation gewinne:

Muss man da aber nicht fragen, wie dann die Frau, durch solch regelmäßige Masturbation immer erfahrener und sensibilisierter, auch dem zwischengeschlechtlichen Verkehr noch was abgewinnen können soll? Hat der weibliche Hormonhaushalt nach der postorgasmischen Refraktärphase überhaupt noch so viele Hormone und endogene Drogen parat, um überhaupt noch Bock auf den Koitus zu haben – geschweige denn zu einem koitalen Orgasmus zu kommen? Dauert es von einem Höhepunkt bis zum nächsten doch stets erst wieder eine ganze Weile – die physiologisch so genannte Refraktärzeit –, bis die hormonalen Drüsen erneut produzieren, die neuronalen Zellen und Vesikel der Lust sich wieder füllen und neu entleert werden können.

Denn, so Wikipedia: „Beim männlichen Geschlecht beginnt unmittelbar nach dem Orgasmus eine Phase sexueller Reizunempfindlichkeit (Refraktärphase). Während dieser Refraktärperiode sind Reaktionen auf sexuelle Reize gering, und es kann daher zu keinem weiteren Orgasmus kommen.“ Das gilt natürlich geradeso, wie für den Mann, auch für die Frau. Und außerdem: „Vor allem in jungen Jahren kann die Refraktärphase sehr kurz sein. Sie nimmt jedoch in der Regel mit dem Alter deutlich zu“!

Und besteht, last but not least, darüber hinaus nicht die Gefahr, dass die Frau durch solch regelmäßige Masturbation auf den ipsistischen Trichter kommt und sich am Ende gar nichts anderes mehr wünscht? Womit wir wieder bei Eduard Hitschmanns Analyse der Klitorissexualität wären: „Dazu kommt, dass die Onanie die Frau einerseits in der Phantasiewahl ihres Objekts, andererseits vielleicht in Art, Rhythmus und Dauer des Befriedigungsaktes verwöhnt hat.“ Gilt dann, was Karl Kraus für sein Geschlecht behauptet, nicht auch für die Frau: ,Der Koitus hält nicht, was die Onanie verspricht'? –

Strikt dagegen wiederum die Slow-Sex-Trainerin Diana Richardson nach 25 Jahren Erfahrung mit Paaren und Frauen: „dass wir die Vagina nicht trainieren brauchen. Sie ist dafür gemacht, den Penis zu empfangen. Dazu muss sie weich und ganz sensitiv sein.“

Die Vagina ist dafür gemacht, den Penis zu empfangen? Von der biologischen Evolution um der Fortpflanzung und Erhaltung der Art willen her gesehen, zweifellos! Aber auch für die Wollust der Frau?

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