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Was empfindet eine Frau dann beim Koitus?

Blog 13


De facto braucht man, um zu erfahren, was die Frauen beim Koitus empfinden, ihnen – was so recht eigentlich erst der Porno ermöglicht – ja nur dabei zuzusehen, wie sie ihn beim Onlinesex auf dem Bildschirm millionenfach vollführen! (Dabei ist ,Onlinesex' doppeldeutig: Zum einen ist es der Sex, wie er heute rund um den Globus im Internet über den Bildschirm flimmert; zum andern aber auch der Sex, wie er von dem Voyeur, der sich online vor dem Bildschirm befriedigt, real praktiziert wird. Denn, so einmal auf ,Zeit Online' die Journalistin Marie Schmidt ohne ein Blatt vor dem Mund: „Der Pornoclip ist der ideale Content für das Internet, und erst im Internet findet die Pornografie ganz zu sich selbst. Denn sie ist zur Masturbation gemacht, und es passiert jetzt inhaltlich nichts mehr, was davon ablenken würde.“)

Manche Frauen geben sich beim Sex ein scheinbar leidenschaftlich beteiligtes Ansehen, – gleichwie wenn sie dabei dasselbe lustgeladene Vergnügen hätten wie der sie vaginal durchwühlende Mann. Sie haben die Schneidezähne auf der Unterlippe, verdrehen die Augen, werfen den Kopf ruckartig von einer Seite auf die andre und verzerren die Münder so hedonistisch verquält, als wäre die Spannung der Lust für sie ganz unerträglich. Sie stöhnen und ächzen und wimmern und keuchen, was das Zeug hält, als würden ihnen schier vor Wollust die Sinne schwinden…

Sieht und hört man aber genauer hin, ist ihren fadenscheinigen und oft gar nur noch ,töricht' zu nennenden Mienen schnell anzumerken, dass ihre Ekstase bloß gespielt ist, fingiert, fiktiv, gefakt und vorgegaukelt, reine Show. Bei manchen ist das Theater so übertrieben, als seien sie nahe daran, den Verstand zu verlieren, – so dass man allein schon dadurch die Lust verliert, ihnen noch weiter zuzusehen. Wie in Goethes ,Torquato Tasso' der Titelheld bemerkt: „und wenn sie auch die Absicht hat, den Freunden wohlzutun, so fühlt man Absicht, und man ist verstimmt...“

Bereits das willkürliche Spektrum der Töne, die sie bei der Kopulation von sich geben, ist verdächtig und spricht dafür, dass sie in Wahrheit kein sonderliches Vergnügen dabei haben – andernfalls ihr Ausdruck natürlicher und überzeugender wäre. Anscheinend hat jedes Starlett dabei seine eigene verlogene Masche. Das Idiom der Lust ist aber eindeutig. Empfänden sie wirklich etwas, würden sie sich alle mehr oder weniger gleich anhören.

Kurz, eigentlich alles am Porno, das nicht rein physisch und körperlich ist – der ,mentale' Überbau –, ist reine Fiktion. Nicht allein ist die Handlung, soweit es überhaupt noch eine gibt, völlig unrealistisch, – sogar die von den Darstellern zur Schau gestellte Wollust selbst ist ihrer maßlosen Übertriebenheit nach reine Täuschung. Zumeist tun die weiblichen Akteurinnen so, als empfänden sie beim Vaginalverkehr geradeso viel Lust wie der sie begattende Mann, was immer aufs Neue dem eitlen Vorurteil der männlichen Voyeure schmeichelt. (Die Frauen, die selber Porno ansehen, wissen wohl sehr genau, was ihre Geschlechtsgenossinnen dabei empfinden – nämlich nichts, was der Rede wert wäre.)

Dabei schwindeln die koitierenden Frauen mindestens auf doppelte Weise: Nicht nur, dass sie überhaupt eine vaginale Lust vortäuschen, – übertreiben sie sie darüber hinaus auch noch über den grünen Klee auf eine Weise, wie sie sie vermutlich noch nicht einmal bei der – realen! – Lust ihrer einsamen Selbstbefriedigung haben. Das Schmierentheater hat aber über die eine Absicht: den Zuschauer in sexuelle Erregung zu bringen, hinaus noch einen weiteren Effekt: ihm unterderhand vorzuspiegeln, er selber könne seiner Partnerin individuell ebenso zu sexuellem Genüge verhelfen, wie es ihm auf dem Set vorgegaukelt wird. Wie weit es beide Zwecke erfüllt, hängt wohl von der Erfahrung des Konsumierenden ab.

Erst an der Miene einer ehrlichen Akteurin – deren es gleichwohl immer auch welche gibt – wird erkennbar, was sie wirklich empfindet, – so gut wie nichts! Zuerst und vor allem beim Sex der Amateure im Netz – der so genannten ,Homegrown videos' – ist ziemlich deutlich zu sehen, dass die Frauen am Koitus kein sonderliches Vergnügen finden. Man merkt es an ihren meist regungslosen, gleichgültigen, fast unbeteiligt wirkenden Mienen, mit denen sie den Akt so über sich ergehen lassen, als ob er sie in Wahrheit gar nichts anginge und sie sich nur aus Gefälligkeit dem männlichen Partner gegenüber dazu hergeben. Und wirken sie einmal nicht unbeteiligt, dann merkt man meist recht deutlich, dass ihre Ekstasen nur vorgemacht sind.

Wie aber auch sollte es anders sein, wenn das Zentralorgan der weiblichen Lust – die Klitoris – sich nicht in, sondern außerhalb der Vagina befindet und also unangetastet außen vor bleibt und vom Penis ihres Beschälers gar nicht tangiert wird?

Empfinden aber die Frauen beim Vaginalverkehr grundsätzlich nichts, dann sind auch alle ekstatischen Mienen und Lautäußerungen, die sie dabei von sich geben, logischerweise reine Fiktion. Die einzig ehrliche Reaktion dabei wäre – was allerdings gleichfalls nicht selten zu beobachten ist –, dass die Frau einfach ruhig und passiv bleibt, – wie man sich eben verhält, wenn man etwas mit gleichgültiger Indifferenz über sich ergehen lässt. Tatsächlich kommt auch das mit schöner Regelmäßigkeit vor. Daran erkennt man wohl die eher intelligenten Frauen.

Natürlich sieht man beim Onlinesex auch private Partner koitieren, die sich wirklich lieben. Was dann die Frau dabei empfindet, könnte sie uns nur selber sagen.

Erst bei der weiblichen Selbstbefriedigung – ,female masturbation' – ändert sich das. Da wird die Sache zumeist recht eindeutig. Befriedigen die Sirenen des Bildschirm sich wirklich selbst, dann konvergieren ihre Verlautbarungen und Töne oft bis zur Einstimmigkeit. Will man eine Frau wahrhaft sexuelle Lust empfinden, dabei natürlich wimmern und am Ende ekstatisch orgasmieren sehen, dann muss man sie, woran es im World Wide Web gleichfalls nicht mangelt, bei der eigenhändigen Selbstbefingerung sehen, die dann aber auch – in guter Übereinstimmung mit unserem bisherigen Eindruck – so gut wie ausschließlich an der Klitoris stattfindet.

Auch das ist im Netz in rauen Mengen zu betrachten. Die Zahl masturbierender, oft von weiblichen Regisseurinnen gefilmter Frauen im Internet ist Legion. Daran erhellt dann auch ganz klar der Unterschied zu ihrer Indolenz beim Koitus.

Will man Frauen wirkliche Lust empfinden sehen, muss man sie bei der Selbstbefriedigung betrachten; was gleichfalls erstmals der Porno erlaubt. De facto entsteht da im glücklichsten Fall im bestimmten Moment visuell und akustisch ein solcher Eindruck, dass man ihnen ihren Orgasmus glaubt.

,Im glücklichsten Fall' deshalb, weil man ja nicht einmal bei der Masturbation einer Frau – die sie um irgendwelcher finanziellen Vorteile willen online ausübt – wirklich sicher sein kann, dass sie dabei auch wirklich orgasmiert. Sie ist sich ja immer noch ihrer Exposition vor der Kamera bewusst und dass sie die Show um der Show willen macht. Ihre wahren Ekstasen hat sie allenfalls dann, wenn es ihr gelingt, alle mediale Umgebung mental so auszublenden, wie es ist, wenn sie es sich ungestört allein selber macht.

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