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  • freudholdriesenhar

Muss der Mann beim Sex nicht verzweifeln?

Blog 44


Muss daher ein Mann, der einmal erkannt hat, dass er mit seinem Geschlechtsteil seine Frau vaginal nicht, sondern sie allenfalls taktil, manuell und oral an der Klittie befriedigen kann – dass sie darin aber, alles in allem, allein für sich viel besser zurechtkommt –, – muss solch ein Mann am Sex mit ihr nicht überhaupt verzweifeln und ihn, den Sex, hinfort allein und für alle Zukunft ihr selbst überlassen?

Was sie dann aber auch wieder nicht allzu sehr von ihm selbst unterscheiden dürfte!

Wenn aber die Partner vom Geschlechtsverkehr ganz allgemein nicht allzu viel haben, – was bedeutet dann zum Beispiel die offenbar für beide Geschlechter als Kompliment geltende populäre Wendung, er oder sie „bumst gut“?

Heißt das vielleicht, dass er oder sie Elizabeth Kiehls paradoxaler Behauptung in Frau Roches Roman ,Schoßgebete' genügen: Muss seiner Selbstbefriedigung jetzt so nah wie möglich kommen? „Gegen jahrzehntelange Sexsozialisation kommt man mit eigenen Ideen nicht an. Also besteht meine Herausforderung darin, so nah wie möglich an seine Selbstbefriedigung zu kommen, mit mehr Mitteln natürlich.“ Was dann aus bekannten Gründen ja viel mehr noch auf Seiten ihres Mannes Georg gilt: Muss ihrer Selbstbefriedigung jetzt so nah wie möglich kommen!

Ist der Sexualgenuss der Partner aber zugestandenermaßen desto größer, je näher beide dabei ihrer eigenen Selbstbefriedigung kommen, – warum sich dann nicht gleich auf die Selbstbefriedigung beschränken? Nähert die koitale Lust sich der ipsistischen immer bloß asymptotisch an? Ist der Ipsismus die Asymptote des Koitus? (,Ipsismus', zur Erinnerung, von lat. ipse, ,selbst', ist aller sex for one. Ipsismus ist gleichbedeutend mit Selbstbefriedigung, Masturbation, Onanie, oder der Neigung dazu. So kam angesichts des Pornos als aktueller Mainstream im Cyberspace schon der Berliner Philosoph Hartwig Schmidt gar zu der These, zu sagen: Die moderne Identität ist ipsistisch.)

Ich erinnere mich vage eines Films des italienischen Bambino terribile der Regie Michelangelo Antonioni über ein Zerwürfnis zwischen zwei Liebenden. Die reizende Monica Vitti hält da ihrem Latin Lover seine „kleinen Explosionen“ – will heißen, seine Orgasmen und Ejakulationen in ihrem Schoß – vor. Der verteidigt sich mit dem – beim Vaginalverkehr allemal irreführenden – Hinweis, dass ja auch sie selber dabei nicht schlecht gefahren sei. Sie wendet sich indigniert und angewidert ab. Nun scheint sie aber unzweifelhaft im Recht damit, dass er der eigentliche Nutznießer ihrer Kopulationen war!

Ergebnis: Die Geschlechter passen sexuell nicht sonderlich gut zusammen.

Muss bei dieser Erkenntnis nun aber ein junger Mann, der noch keine Ahnung von Tuten und Blasen hat, nicht aus allen Wolken fallen? Und wenn anders nicht aus allen Wolken, so doch jedenfalls aus Wolke sieben seiner pubertären unbedarften Illusionen?

Bisher, im Sturm und Drang seiner Jugend, ging er wie selbstverständlich davon aus, der Sex der Geschlechter beruhe durchaus auf Gegenseitigkeit und einwandfreier Symmetrie: als müsse die Frau beim Sex in ihrer Pussy genau dieselben Empfindungen haben und auf dieselbe Art zum Höhepunkt kommen wie der Mann vermöge seines Penis.

Wie denn aber auch nicht? Ist es nicht Allgemeinwissen und Common sense, dass die Frauen bei der sexuellen Erregung in der Scheide feucht werden – die sogenannte ,Lubrifikation', eine reflexhaft einsetzende instinktive Reaktion, das offenbare Pendant zu den präejakulatorischen Sehnsuchtstropfen auf Seiten des Mannes?

„Wenn eine Frau sexuelle Erregung verspürt, beginnen“ laut Wikipedia „die Wände der Vagina anzuschwellen und eine klare Flüssigkeit (modifiziertes Plasma-Transsudat) über hunderte kleiner Gänge im Vaginalgewebe abzusondern. Diese Flüssigkeit ist zuerst innerhalb der Vagina zu finden, bei weiterer Erregung beginnt sie durch die Öffnung zwischen die kleinen Schamlippen zu fließen. An den kleinen Schamlippen bzw. auf der Ebene des Scheidenvorhofs sitzen zusätzlich die Bartholinschen Drüsen als weitere akzessorische Geschlechtsdrüsen, welche auch Sekrete produzieren, die zusätzlich befeuchten. Die Ausschüttung dieser Flüssigkeiten macht sexuelle Vorspiele, die die Vulva und Vagina mit einbeziehen, angenehm. Wenn genügend Flüssigkeit gebildet wird, so dass sie sich auch über die Klitoris verteilen kann, verstärkt sich die sexuelle Erregung und es kommt dadurch zu einer positiven Rückkopplung, durch die sich wiederum die Absonderung aus den Drüsen erhöht. Im Stadium höchster Erregung sondern manche Frauen üppige Mengen an Sekret ab, andere nur geringe Mengen.

Wie neuere Forschungsergebnisse bestätigten, kann eine Absonderung von Vaginalsekret auch ohne sexuelle Erregung im eigentlichen Sinne in Bezug auf einen potentiellen Sexualpartner auftreten. Der Hauptanteil entfällt dabei auf die akzessorischen Geschlechtsdrüsen der Frau, vor allem den Bartholin-Drüsen. Die Scheidenhaut sondert außerdem eine klare Flüssigkeit ab. Diese Flüssigkeit wird aus dem die Scheide umgebenden Gefäßgeflecht herausgepresst (Transsudation). Je größer die Erregung ist, desto besser ist dieses Geflecht durchblutet und desto mehr Flüssigkeit kann die Scheide befeuchten.“

Nun aber, ist es schon das vaginale Gewebe, das den Beginn der weiblichen Erregung anzeigt, – warum dann sollte nicht auch die ultimative orgasmische Befriedigung der Erregung an ein und demselben Ort erfolgen, wo die ersten Anzeichen dafür erscheinen? Nichts doch wäre natürlicher, als dass die Frau dort, wo – bei sexuellen Vorspielen, die die Vulva und Vagina mit einbeziehen!– ihre erste Geilheit lubrifiziert, immer mehr eskalierend auch zur orgasmischen Klimax gelangt? Stets in seinen Masturbationsphantasien wird der unbedarfte Jüngling die Frau seiner Träume im selben Maße der Lust – im vaginalen Orgasmus – teilhaftig werden lassen wie in effigie mit ihr koitierend sich selbst.

Aber nein! Das alles soll jetzt, sofern er sich immer nur den Vaginalverkehr und niemals den klitoridalen Cunnilingus vornahm, plötzlich falsch sein?

Ergebnis: Die Geschlechter passen sexuell nicht sonderlich gut zusammen.

Sie passen aber vielleicht in der Liebe zusammen! Und dann spielt der Sex eventuell gar keine so große Rolle mehr?

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