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Kann die Frau den Mann sexuell erpressen?

Blog 81


In Martin Scorseses Film ,Die Farbe des Geldes'1986 über die Poolbillardspieler Eddie und Vincent – Paul Newman und Tom Cruise – glaubt Vincents Freundin Carmen – Mary Elizabeth Mastrantonio (nicht Masturbantonio!) – ihren Geliebten mit dem seinerzeit wohl noch recht gewagten Hinweis: „Wenn du nochmal gewinnst, kannst du es dir die nächsten fünf Wochen lang mit der Hand machen!“ erpressen zu können.

Dialektische Drohung! Müsste Carmen, wäre sie vorsichtiger, nicht fürchten, er könnte das in die falsche Kehle kriegen und es nicht als Warnung, sondern eher als Empfehlung und Rückkehr zu lieben Gewohnheiten auffassen?

Zieht also eine Frau im Bett oder sonst mit gleichsam großherziger Geste von sich aus ihren Gespons über sich, – so sicherlich nicht, weil sie sich einen erlesenen sexuellen Genuss davon verspricht, sondern vielmehr eher, um ihm ihrerseits eine Gunstbezeigung und Gefälligkeit als Beweis ihrer Liebe zu geben. Und sie wird es desto öfter und williger tun, je mehr sie ihm zugetan ist. Sozusagen als Liebesbeweis.

Schreibt also der promiskuitive Lion Feuchtwanger im Tagebuch vom 9. Februar 1932 über seine Frau: „Marta beklagt sich, dass ich sie so wenig vögele“, – so ist, sofern es der Wahrheit entspricht, wohl dies der Hintergrund. Und im Anschluss daran: „Abends mit Eva gevögelt. Dann mit Marta gevögelt.“ Der Lion muss nicht schlecht mit Gonadenhormonen ausgestattet gewesen sein, um diese Tagesordnung durchzuhalten. Tatsächlich scheinen seine inflationären tagebuch-dokumentierten Vögeleien so weit jenseits aller normalbürgerlichen Erfahrung, dass man sich fragt, ob sie nicht überhaupt allesamt erlogen und erflunkert sind. Hat er vielleicht immer dort, wo er gern gebumst hätte, die bloße Wunschvorstellung durch die Realität ersetzt?

So fern liegt das unserer kleinbürgerlichen Lebenswelt, dass es uns ganz unwahrscheinlich vorkommt. Ähnlich etwa wie später in García Márquez' ,Hundert Jahre Einsamkeit' die Phantasien des Obersten Aureliano Buendía, der in seinen einsamen Feldlagern von siebzehn verschiedenen Frauen siebzehn Söhne hat (die dann einer nach dem anderen in einer einzigen Nacht erschossen werden, noch bevor der älteste fünfunddreißig ist). Nicht gerechnet ,,die ungezählten Frauen, die er in der Wüste seiner Liebe gekannt hatte, und durch die sein Samen über den ganzen Küstenstrich verstreut worden war“ – und die in seinem Gefühlsleben dennoch keine Spuren hinterlassen hatten. Eine ,Einsamkeit' mithin, bei welcher es alles andere als ungesellig und öde, sondern vielmehr höchst leidenschaftlich hergeht! Eine Einsamkeit, die gelegentlichen leidenschaftlichen Vereinigungen nicht abhold ist und wie wir sie uns auch in unsrer nietzscheanisch-nordischen Verschrobenheit und Hysterie zur Abwechslung gern mal hätten gefallen lassen! (Aus meinem Roman ,Erkenntnis in der Provinz' bei Kindle.)

Den Männern soll es schlicht und einfach erlaubt sein, ihr Sperma nach Belieben in der weiblichen Vag abzuschlagen. Danach bleibt das Ejakulat im Unterleib der Frau, die es, bevor es ranzig wird, erst wieder ausspülen muss; es ist klar, sie müsste sich dabei wie eine Art Senk- oder Jauchegrube vorkommen – als eine Kloake, wie es zoologisch bei den weiblichen Vögeln heißt –, wenn sie es nicht eben um ihrer Liebe willen täte.

„Viele Männer kümmern sich gar nicht darum“, so Simone de Beauvoir, „ob die Frau, die ihr Bett teilt, den Coïtus wünscht oder ihn nur über sich ergehen lässt. Man kann sogar eine Tote beschlafen … Seit den primitiven Zivilisationen bis auf unsere Tage hat man es immer so verstanden, dass das Bett für die Frau ein ,Dienst' ist, für den sich der Mann durch Geschenke und durch die Sicherung ihres Unterhalts revanchiert … Die Römer nannten Messalina ,invicta', die ,Unbesiegte', weil keiner ihrer Liebhaber ihr zur Lust verholfen hatte.“ Adhuc ardens rigidae tentigine vulvae: Et lassata viris, necdum satiata, recessit, so Juvenal: Glühend vor Geilheit der erregten Vulva, entbrannte sie, erschöpft von den Männern, doch ungesättigt, aufs neue.

Stellen wir nicht auch nach zwei Jahrtausenden noch fest, dass das nicht nur für die Kurtisanenkaiserin Messaline, sondern mehr oder weniger für alle Frauen gilt?

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