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Ist Donald Symons' Orgasmus-Hypothese falsch?

Blog 106


„Im Gegensatz zu dieser Auffassung der biologischen Notwendigkeit auch des weiblichen Orgasmus“ – im Sinn der Paarbindungs-Hypothese –, so Pöppel, „vertritt nun Symons die Meinung, dass man nicht davon ausgehen könne, dass auch der weibliche Orgasmus eine biologische Anpassung sei. Es ist für ihn einfach zu auffallend, dass es immer wieder Zeiten und Kulturen gegeben hat und gibt, in denen der weibliche Orgasmus überhaupt keine Rolle spielt. Das Sexualerleben der Frau sei variabler, verglichen mit dem des Mannes, und von der Frau werde der Orgasmus nicht wie vom Mann als ein notwendiges Enderlebnis eines sexuellen Kontaktes angesehen. Symons weist überdies auf Kulturen hin, in denen das Konzept des weiblichen Orgasmus unbekannt sei.“

Immer wieder Zeiten und Kulturen, in denen der weibliche Orgasmus überhaupt keine Rolle spielte? Wie naiv muss man sein, um dergleichen Thesen aufstellen und glauben zu können?

Der weibliche Orgasmus – da sind wir uns sicher – hat, in seiner klitoridalen Form, zu allen Zeiten und Kulturen bis heute immer eine ganz außerordentliche Rolle gespielt! „Alle Menschen onanieren“, konstatiert der Analytiker Wilhelm Stekel, und gilt das für alle Menschen, dann auch für alle Frauen; und zwar sogar zuerst und vor allem für die Frauen, die beim normalen – vaginalen! – Koitus nicht auf ihre Kosten kommen und daher gehalten sind, ihn durch Onanie zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen. Dass das Sexualerleben der Frau verglichen mit dem des Mannes ,variabler' sei, scheint schon immer – wobei Simone de Beauvoir keine Ausnahme macht – nicht mehr als die Floskel und rhetorische Ausflucht all derjenigen, die nicht klar wahrhaben oder zugeben wollen, dass die Frau eben keinen vaginalen Orgasmus hat!

Von der Frau werde der Orgasmus nicht wie vom Mann als ein notwendiges Enderlebnis eines sexuellen Kontaktes angesehen? Das klingt, als hätte sie grundsätzlich und von Natur aus etwas dagegen, als Ziel des Liebesakts einen Orgasmus zu haben. Sollte sie beim sexuellen Kontakt die Klimax ihrer Lust um jeden Preis vermeiden wollen? Legt sie gar keinen Wert darauf, zu ,kommen'?

Will man uns auf den Arm nehmen? Für wie dumm hält man uns eigentlich? Wieviel wahrscheinlicher ist da denn nicht, dass die enttäuschte Hoffnung der Frau auf den koitalen Orgasmus nicht auf einer unbeschränkten sexuellen ,Variabilität' und grenzenlosen Flexibilität beruht, – sondern eine zwangsläufige und unfreiwillige Folge ihres erfahrungsgemäß fehlenden koitalen – nämlich vaginalen – Orgasmus ist! Die angebliche vielberufene ,Variabilität' – wie wenn diese der Mann nicht genauso hätte – scheint vielmehr die Tugend, welche die Frauen aus ihrer Not (und die männlichen Forscher aus der weiblichen Not) machen und für die sie sich klitoridal schadlos halten!

Überdies weise Donald Symons auf Kulturen hin, in denen das Konzept des weiblichen Ogasmus unbekannt sei? Eine solche Kultur möchten wir sehen! Sind es vielleicht diejenigen primitiven ,Kulturen', welche die Klitoridektomie praktizieren und den Kitzler operativ entfernen, um dann zu behaupten, das ,Konzept' des weiblichen Orgasmus sei unbekannt?

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