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Darf eine Kaiserin ungestraft masturbieren?

Blog 15


Sicher ist es – ungeachtet der ,Orangenprinzessin' Nathalie Weidenfelds – eine Folge des modernen Pornos und Internetsex, dass die weibliche Onanie inzwischen ungleich mehr im kollektiven Bewusstsein präsent ist, als es vordem der Fall war. Wie beispielsweise 2009 die Neuverfilmung des deutschen Klassikers ,Sisi' beweist, wo gleich zu Anfang die zukünftige Kaiserin als junges Mädchen in ihrem Bett beim Masturbieren erwischt wird.

„Die Neuauflage“, so dazu im Netz, „widmet sich in einer zeitgenössischen Art und Weise dem historischen Stoff, die nicht nur eine liebevolle Sisi, sondern auch eine unverblümte, manchmal auch sehr offenherzige und masturbierende Kaiserin zeigt. Ja, richtig gelesen! In dieser Serie fehlt es keineswegs an Sex – egal ob mit oder ohne Franz (der auch gerne mal Orgien in seinem Zimmer und dem Wiener-Freudenhaus feiert). Damit nicht genug, denn die neue Kammerzofe der Kaiserin ist eine ehemalige Prostituierte, mit der Franz geschlafen hat und die nun Dildos als angebliche Lockenwickler am kaiserlichen Hof einführt (man beachte den Wortwitz).

Warum die Neuauflage so versext ist? Gegenüber Bild hat Drehbuchautorin Elena Hell erklärt, warum es zu so viel offensichtlicher Erotik und Sex in der Serie ,Sisi' kommt: ,Wir wollten eine große Liebesgeschichte erzählen. Und den Weg einer jungen Frau, die unter sehr besonderen Bedingungen erwachsen wird. Sexualität spielt dabei einfach eine große Rolle.' Die Sextoys von damals können natürlich nicht mit den heutigen Spielzeugen mithalten...“

In anderen Worten, eine solche Geschichte wäre überhaupt nicht realistisch, käme nicht auch die jungmädchenhafte Selbstbefriedigung darin vor! Für die Einführung solch unverblümter Szenen ins öffentlich-rechtliche Fernsehen, das sich gewöhnlich eher durch die krampfhafte Vermeidung aller sexuellen Realitäten auszeichnet, ist die ehrliche Elena Hell wohl nur zu beglückwünschen.

„Wer sich am Dienstag bei einem gemütlichen Familienabend die neue ORF-Serie ,Sisi' anschauen wollte“, hakt Heute nach, „wurde überrascht und möglicherweise peinlich berührt. Denn sie unterschied sich vehement von der beliebten ,Sissi'-Trilogie mit Romy Schneider, welche regelmäßig an Weihnachten über die Bildschirme läuft. Gleich zu Beginn wurde die 15-jährige Sisi (gespielt von Dominique Devenport) beim Masturbieren von ihrer Schwester Nele erwischt. Diese wiederum gestand, dass sie bei der Selbstbefriedigung an Kaiser Franz Joseph (gespielt von Jannik Schümann) denkt. Im weiteren Verlauf wagte sich Elisabeth sogar ins Bordell, um sich bei der Lieblingsprostituierten des äußerst umtriebigen Jung-Kaisers Rat zu holen.“

Gegen die ,Einführung' von Masturbation und Dildos – der Wortwitz, haha! – an den kaiserlichen Hof gleichwie ins fernsehdeutsche Abendprogramm hätte sicher auch Romy Schneider, so sinnlich, wie wir sie einschätzen, nichts gehabt. –

In dem Film ,Hacked – Kein Leben ist sicher', einem US-amerikanischen Thriller von 2016, sieht man Kaitlyn Regan, die Tocher Mike Regans, eines Magnaten der Luftfahrtindustrie – Pierce Brosnan –, unter der Dusche masturbieren, wobei sie von Ed Porter, einem entlassenen Angestellten Mikes, heimlich gefilmt wird. Ed stellt das Video der nackten, steil abgehenden Kaitlyn – die reizende Stefanie Scott, von der man sogleich angetan ist – ins Netz, wo es ihre Schulkameraden sehen. Sie fühlt sich zutiefst gedemütigt und erniedrigt. Wutentbrannt fährt Vater Mike mit seinem PKW los, um Porter zu suchen, der jedoch über Funk das Bremssystem aktiviert und so einen Unfall auslöst.

Sturm im Wasserglas! Sie fühlt sich zutiefst gedemütigt und erniedrigt? Warum eigentlich, sie hat dabei doch nur gemacht, was – cosí fan tutte – alle machen? Und wenn es alle machen, was ist dann Demütigendes und Erniedrigendes daran? Sie haben dabei doch eigentlich nur – wie Heine seinen Freund Alexandre beruhigt, der einmal Frau Mathilde im Schlafzimmer so nackt sah wie Gyges das Weib des Kandaules – ,etwas sehr Schönes gesehen'! Und die, welche geniert daran Anstoß nehmen, brauchen ja nicht hinzuschauen. Der Voyeur an der Wand sieht nur die eigne Schand. Der Film erhielt von dem Internet-Portal Filmstarts das Prädikat ,solide'.

Etc. etc. Scheint es nicht, als gehöre es seit Bergmans ,Schweigen' mit der masturbierenden Ingrid Thulin nachgerade zu Standard des realistisch aufgeklärten Films, eine Frau bei der Selbstbefriedigung zu zeigen?

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