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Warum wollen Männer mit Frauen schlafen?

Blog 12


In meinem Roman ,Heines Weg nach Paris' (Kindle-Taschenbuch) wird der Titelheld von den Frauen, die in Friederike Friedlands Pariser Salon im Hôtel de Paris in der Rue de Richelieu versammelt sind, einmal mit der kuriosen Frage konfrontiert: warum die Männer eigentlich immer in der weiblichen Vagina kommen – oder nannten sie es ,abspritzen'? – wollen.

Ganz ähnlich Frank Schätzing in seinem Thriller ,Der Schwarm' in Anlehnung an den Film ,Mondsüchtig' mit Cher und Nicolas Cage: Jemand fragt, warum wollen Männer mit Frauen schlafen? Und die Antwort da lautet: Weil sie Angst vor dem Tod haben.

Der Bescheid ist wohl nicht so ganz überzeugend, denn man könnte das ja sogar auch dann noch wollen, wenn man keine Angst vor dem Tod hat.

Überhaupt scheint die richtige Antwort gar nicht so einfach wie die zugrundeliegende Frage! De facto braucht man sich ja, um sie recht zu verstehen, nur psychisch und physisch mit etwas Einfühlungsvermögen an die Stelle der Frauen zu versetzen. Des fehlenden vaginalen Orgasmus wegen hat eine Frau ihre Muschi, wenn schon nicht für ihre Sexuallust, ja so gut wie ausschließlich für das Kinderkriegen, – durch das sie dann aber auch unvergleichlich viel schwerer belastet wird als der Mann. „Nur durch das Dazwischentreten des Mannes wird sie zu einem erotischen Zentrum“, schrieb Simone de Beauvoir über die Vagina. Zum erotischen Zentrum aber wird sie wiederum nur für den Mann, der sich daran verlustiert!

Während er sie nur kurz mal besteigt und seinen Ballast los wird, bleibt die Frau vergleichsweise lust-los, wird mit Sperma geflutet, vielleicht befruchtet, geschwängert, körperlich auf Dauer in Mitleidenschaft gezogen, hat neun Monate lang das neu entstehende Wesen im Bauch, gebärt unter Schmerzen und fühlt sich für den Nachwuchs dann ein Leben lang verantwortlich und verpflichtet. Ihre sexuelle Wollust dagegen steht auf einem anderen Blatt: Die verschafft sie sich ohne das Dazwischentreten jedweden Erzeugers durch Selbstbefriedigung am Kitzler. Denn das Klitoris-Spasma, so Simone, ist immer „nur indirekt mit dem normalen Coïtus gekuppelt und spielt bei der Zeugung keinerlei Rolle“!

Nicht allein also ist die weibliche Lust an der Klit größer als an der Vagina, – sie scheint überhaupt erst dort auch so recht vorhanden! Ihre Vag braucht sie dazu überhaupt nicht, die ist wie das fünfte Rad am Wagen, die dient allein der Empfängnis, Fortpflanzung und Erhaltung der Art. Kein Wunder daher, dass die Frau in puncto libidinöser Lust auf den koitalen Penis gern verzichtet, für sie ist es eine Übung im Trockendock, L'art pour l'art. Der Mann seinerseits wiederum profitiert von der extravaginalen Klitoris nichts und bleibt für sein Genüge allein auf die Pussy fixiert.

In einem Wort: Die Frau bezieht ihre Lust nicht an der Stelle, wo sie sie spendet.

Gedankensprung: Ist aber nicht einmal sie um ihrer Sexuallust willen auf die Vag angewiesen, sondern allein auf die Klit fixiert und konzentriert, – wieso dann eigentlich der Mann? Um sich partout einen daran abzuscheuern? Kann er sich nicht geradeso gut selber am Penis befriedigen, wie es die Frau an ihrer Klitoris tut? Wieso bedarf er dazu eigens des vaginalen Futterals? Er tut der Frau keinen Gefallen – und wenn der Gemeinplatz von der intensiveren Selbstbefriedigung stimmt, sich selber auch nicht.

Warum also sollte die ,erotische Autonomie' des Weibes, wie Simone es nennt, nicht geradeso gut auch für den Mann gelten? Genügen nicht beide Geschlechter gleichermaßen ipsistisch sich selbst?

Wenn also, was die Sexuallust betrifft, zum einen die Frau beim Vaginalverkehr nicht auf ihre Kosten kommt, sondern sich selbst klitoridal befriedigen muss, zum andern der Mann ihr rein vaginal sowieso kein Genüge verschaffen kann – und was sein eigenes Genüge betrifft, selbst dies bei der Masturbation größer ist (– „Zwischen Daumen und Zeigefinger“, so Becketts ,Molloy', „ist man sowieso besser dran“), – wäre es da, wenn beide beim Koitus gleichermaßen unbefriedigt bleiben, nicht besser und beide in puncto Lust am besten beraten, wenn jeder sich's für sich selber macht?

Anders gesagt, am Ende taugt der Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau so recht eigentlich nur dazu, um einen gemeinsamen Nachwuchs zu zeugen.

Andererseits, – ist das nicht genau das, was der katholische Katechismus und römische Papst immer schon so gepredigt haben?

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