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  • freudholdriesenhar

Sind die Frauen prädestinierte Onanistinnen?

Blog 109


Auch die modernen Filmemacher haben daraus gelernt. Als Folge davon ist der Cunnilingus inzwischen nachgerade zum unabdingbaren, unentbehrlichen Bestandteil erotischer Szenen geworden: Viele Filme bezogen den Oralsex noch viel positiver mit ein, so ein Historiker im Netz. Gleichwie in ,Couples', erscheine auch in Hal Ashbys ,Shampoo' 1975 der Oralsex als die bevorzugte Praxis der bürgerlichen Mittelklasse. Wenn da Jackie Shawn – gespielt von Julie Christie – scheinbar unvermittelt unter dem Tisch verschwindet, so aus keinem anderen Grund, als um an George Roundys – Warren Beattys – Schwanz zu lutschen.

Wir könnten geradeso gut auch gleich die originalen Privatpersonen der Schauspieler selber nehmen, da Julie und Warren bekanntlich auch persönlich verbandelt waren und dazu lange genug Gelegenheit hatten.

Den Cunnilingus gibt es in ,Coming home' 1975 zwischen Luke Martin, einem Vietnamveteranen – Jon Voight –, und seiner Geliebten Sally, verkörpert von Jane Fonda. Dabei sieht man, während Jon sich oral in ihrem Schoß ergeht, Janes Gesicht – ihre anderen Partien sind wohl schamhaft gedoubelt – nicht weniger gekonnt als Hedy Lamarr oder Ingrid Thulin mit dem Ausdruck beispielhaften Orgasmierens. „Sie haben Sex“, so ein Kommentator, „wobei, durch Oralsex, Sally ihren ersten Orgasmus hat, der sie zu Tränen rührt.“

Erster Orgasmus dürfte allerdings haarsträubend übertrieben sein, da die Jungfer in ihrer Selbstbefriedigung mit Sicherheit längst auch ohne den männlichen Beistand auf den Trichter kam.

In dem Film ,Greenberg' von Jennifer Jason Leigh und Noah Baumbach 2010 kommt es zu einer ersten sexuellen Begegnung zwischen dem Titelhelden Roger und dem Zugehmädchen Florence Marr – Ben Stiller und die hinreißende Greta Gerwig. Da wirft Florence sich gleich ganz spontan und unaufgefordert rücklings aufs Bett, den Schoß über die Kante streckend, und rafft sich mit einladender Geste den Rock hoch über die Hüften. Anstandslos geht Roger sofort davor auf die Knie – und mit dem Mund in ihre Gabel, um sie abdominal, vulvar, genital, klitoral, vaginal abzuschlecken und abzuschmecken. Die Szene zeigt exemplarisch, was heute beim Sex in und außerhalb der legitimen Betten gang und gäbe ist oder sein könnte. Wem es nicht gefällt, oder wer keinen Geschmack daran findet, braucht es ja nicht unbedingt nachzumachen. „Man muss ja nicht alles nachmachen von Pornofilmen!“, sagt Elizabeth Kiehl in Charlotte Roches ,Schoßgebete'. Es ist aber nicht einmal ein Pornofilm, sondern, wenn der eingangs erwähnte Kritiker Recht hat, der Oralsex als die bevorzugte Praxis der bürgerlichen Ehebetten... –

Jedoch ist all das Schnee von gestern, denn beim heutigen Internetsex ist es praktisch ganz undenkbar und hieße schier pathologisch aus der Reihe zu fallen, dass die Partner kopulieren, ohne sich vorher ausgiebig manuell und oral – Pussyeating und Cocksucking – stimuliert und warm gemacht zu haben. Und das sicher nicht nur in der von Ashby porträtierten amerikanischen Mittelklasse!

Was zuerst folgt, fragten wir eingangs. Als Nächstes nämlich erhellt sofort, dass wenn die auf die extravaginal ausgelagerte Klitoris konzentrierte Sexuallust der Frau schon rein äußerlich anatomisch nicht mit in den Koitus involviert ist, sie logisch betrachtet auch ausschließlich nur für ihre ,sexuelle' Selbstbefriedigung vorgesehen sein kann! Wie anders könnte ein echter klitoraler Orgasmus denn überhaupt zustande kommen außer durch ihre Selbststimulation?

Da entsteht natürlich die Frage: Sind demnach die Frauen, schon von den anatomischen Voraussetzungen her, soweit sie der Sexuallust überhaupt teilhaftig werden wollen (aber welche wollte das nicht?), geborene Onanistinnen?

Was wäre dieser logischen Konsequenz entgegenzuhalten? Ist es nicht eine fundamentale, und zwar – auch wenn der Punkt in den Medien offenbar nirgends so klar zum Ausdruck kommt – nachgerade zwingende anthropologische Folgerung?

Ist insbesondere die Männerwelt sich seit Olims Zeiten bewusst, in welchem Ausmaß die Frauen von ihrer sexuellen Selbstbefriedigung abhängig sind?

Vermutlich sind die meisten Männer noch zu der Zeit, als sie ,Deep Throat' mit Linda Lovelace sehen, weit entfernt von der Erkenntnis, dass das Zentrum der weiblichen Sexuallust gerade nicht in der Vagina liegt!

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