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  • freudholdriesenhar

Schmeicheln sich die Männer mit dem weiblichen Orgasmus – 3?

Blog 7


Kaum einer der modernen Filme kommt mehr ohne mindestens einen Geschlechtsverkehr aus, bei dem die Frau auch jedesmal zum Orgasmus zu kommen scheint. Die Liebesszenen lassen die Lust der Partnerin nicht außen vor und an ihrem ekstatischen Höhepunkt keinen Zweifel.

Wie könnte man die Großaufnahme von Hedy Lamarr in ,Ekstase' von 1933 vergessen, als sie unter geschlossenen Lidern, mit weit geöffnetem Mund und weiß bloßliegenden Oberzähnen ganz ihrer Lust hingegeben, nach einer Reihe schweratmender, bebender Erschütterungen plötzlich beide Unterarme zusammenklappt, so dass nunmehr ihr Gesicht, das man sich nur noch lustverströmt vorstellen kann, ganz darunter verschwindet, im selben Augenblick ihre Perlenkette gleichwie ihre Jungfernschaft zerreißt und mit den losen Klunkern auf den flauschigen Bettvorleger kullert?

Wie anders als im Orgasmus sollte das Flittchen in Bergmans ,Schweigen'1963, wenn es im Kinostuhl mit gespreizten Schenkeln und wippenden Brüsten a fronte reitend ihrem Beschäler aufsitzt, sich so elektrisiert aufbäumen können?

Und die zünftig orgasmierende Studentin Nadine Sallanches in Renais' ,Der Krieg ist vorbei', als sie zwischen ihren willig auseinandergenommenen Mädchenbeinen Diego Mora – alias Yves Montand – in ihren jungen Schoß lässt?

Und im selben Film das ekstatische Hin- und Herwerfen vom Mariannes Kopf, das unter betörend ätherischer Musik ihre äußerste Wollust veranschaulicht? Gewiss, in Bergmans ,Schweigen' glaubt man der lungenkranken Ester, die sich selbst im weißen Höschen befingert, ihren überzeugenden Orgasmus – nimmt ihn ihr sozusagen ab –, aber das zählt nicht, diese Art der Befriedigung ist keine Kunst, das ist dunkle süße Onanie, bei der sie von keines Mannes Dazwischentreten abgelenkt wird!

Hat aber nicht auch die wunderschöne Laura Baxter alias Julie Christie in ,Wenn die Gondeln Trauer tragen', auf Johns Pimmel reitend, sich selber bis zum Orgasmus gerubbelt? Man munkelt schon, die Szene mit Julie und Donald Sutherland sei nicht nur gespielt gewesen.

Windet Juliette Binoche in Louis Malles Film ,Verhängnis' sich nicht mänadisch wie das Männchen der Gottesanbeterin auf Jeremy Irons Schenkeln?

Und werden in Samperis ,Malizia', während draußen ein Learsches Gewitter tobt und Nino in ihrem üppigen Schoß abdrückt, nicht auch auf Angelas Seite orgastische Gefühle durch den pubertären Schwengel des frühreifen Spunds insinuiert?

In dem Film ,Casse-tête chinois' – ,Beziehungsweise New York' – 2013 fallen Xavier – Romain Duris – und Martine – Audrey Tautou – nach der Kopulation so ekstatisch ausgepowert auseinander, als hätte der orgasmische Blitz ihnen förmlich das Hirn aus dem Kopf geblasen. In Wahrheit war es, soweit es sich auf den Vaginalverkehr beschränkte, zumindest auf Seiten Martines wohl nicht mehr als ein schaler Abgang ... Etc. pp.

So faken ausnahmslos all die unüberschaubaren Myriaden von Schauspielerinnen, Stars und Starlets, die – simuliert oder real – im heutigen Film koitieren, den Orgasmus; und de facto gibt es ja schon im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kaum mehr einen zeitgenössischen Streifen, in dem sie nicht kopulieren. Und immer werfen sie im ultimativen Moment, da die Elixiere der Lust ihr Gehirn überschwemmen, mit orgasmischem Gestöhne und rollend verdrehten Augen den Kopf in den Nacken! …

Und doch scheint es nach wie vor ganz ungeklärt, ob es überhaupt einen vaginalen Orgasmus gibt. Wie aber, wenn nicht? Wenn die Frauen auch in all den Ekstasen, die sie uns auf der Leinwand vorgaukeln, zu keinem Höhepunkt kommen? Dann wären alle diese Darstellungen zutiefst fiktiv und unrealistisch, reine Augenwischerei und Täuschungsmanöver. Übersehen wir wieder nicht, dass dergleichen literarische und filmische Präsentationen meist die von männlichen Regisseuren sind, die sich und ihrem männlichen Publikum mit ihrer maskulinen Potenz schmeicheln. Jedenfalls weiß ich von keinem einzigen klassischen Vaginalverkehr im Kino, der mit der ernsthaften Frage einherging, ob die Frau wirklich dabei zum Orgasmus kommt.

Haben die modernen Regisseure und Drehbuchautoren denn keine realistische Vorstellung von der weiblichen Lust? Oder glauben sie, sie zum Gaudium ihres naiven Publikums erdichten zu müssen? Mundus vult decipi, ergo decipiatur? Stets müssen die versiertesten Akteurinnen – Hedy, Ingrid, Laura, Geneviève, Audrey, Julie, Juliette ... – unter schmählicher Verleugnung ihrer natürlichen Weiblichkeit so tun, als orgasmierten sie beim Koitus geradeso wie der Mann. Ist es nicht eine Beleidigung ihrer Intelligenz, sie auf diese Art zur Posse zu zwingen?

Vollends gilt das für den Sex im modernen Porno und Internet, wo die Frauen meist gleichfalls zumindest so tun, als hätten sie ein koitales Kommen.

Nichts prahlt so sehr wie die Lust, sagt Plato; und wo gilt das mehr als im modernen Kintopp? Ihre eigentlichen klitoralen Ekstasen dagegen, zu denen ihre Libido sie befähigt, dürfen sie nicht zeigen. Die Welt will getäuscht werden, also lasst sie uns täuschen! – wo gilt das mehr als für den weiblichen Orgasmus?

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