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Hat das römisch-katholische Dogma doch Recht?

Blog 29


Quod erat demonstrandum: Sexuell bräuchten ein männlicher und ein weiblicher Partner eigentlich nur noch dann miteinander zu verkehren, wenn sie ein gemeinsames Kind haben wollen, denn was die sinnliche Lust im eigentlichen Sinn betrifft, scheint jeder für sich allein besser dran. Andererseits, voilá! – ist das nicht genau das, was das römisch-oberhirtliche Dogma immer schon, wenn auch unter falschen metaphysischen Voraussetzungen, predigt: dass aufgrund des ,natürlichen Sittengesetzes' jeder eheliche Akt „auf die Erzeugung menschlichen Lebens ausgerichtet bleiben“ müsse?

Die Alternative wäre höchstens noch, dass die Partner, wie Elizabeth Kiehl alias Charlotte Roche es in ,Schoßgebete' vorschlägt, beim Sex ihrer jeweiligen Onanie so nahe wie möglich kommen. Die Masturbation als die Asymptote des Koitus: „Muss seiner Selbstbefriedigung jetzt so nah wie möglich kommen“, schreibt sie. Eine hedonistische Approximation. Was ihrem Dafürhalten nach übrigens nur beim gemeinsamen Pornokonsums geht!

So ist die mangelhafte weibliche Befriedigung durch den Koitus laut Freud angeblich darauf zurückzuführen, dass nach anfänglich betriebener Masturbation „die seinerzeit übertrieben betätigte Klitorissexualität (eine Art infantiler Männlichkeit) nicht überwandert auf die Scheide, welche ja allein beim Koitus der Friktion ausgesetzt ist“! Wie aber sollte die Klitorissexualität überhaupt auf die vaginale überwandern können, wenn – falls es wirklich beide gäbe – sie doch wohl durch völlig unterschiedliche Nervenbahnen und Gehirnareale bedingt wären?

„Dazu kommt“, wie der Analytiker Eduard Hitschmann in Bezug auf die Klitorissexualität bemerkt, „dass die Onanie die Frau einerseits in der Phantasiewahl ihres Objekts, andererseits vielleicht in Art, Rhythmus und Dauer des Befriedigungsaktes verwöhnt hat“!

In anderen Worten, ist die Frau um ihrer sexuellen Befriedigung willen praktisch von Natur aus zur Masturbation gezwungen?

Dann lockte ihr Sexappeal zwar den Geschlechtspartner an, der sich die Hörner an ihr abstößt und dadurch de facto zu seinem Genüge kommt; sie selber aber kommt, da ,beim Koitus ja allein die Scheide der Friktion ausgesetzt ist', nur dann auf ihre Kosten, wenn sie beim Koitus praktisch zweigleisig fährt und zugleich auch ihre Klit mit stimuliert: so dass sie noch während der vaginalen Kopulation gleichsam ausschert und klitoridal fremdgeht.

Sie ist also, um zu ihrem Genüge zu kommen, von Natur aus gehalten, beim intersexuellen Akt sich ipsistisch zugleich selbst zu befriedigen, – eine Zweigleisigkeit und Parallelität, die beim unerfahrenen Partner recht gemischte Gefühle hervorrufen mag: Genügt er ihr beim vaginalen Koitus allein nicht? Muss er sich wie Chevy Chase in der amerikanischen Comedy Sorgen machen, dass Gilda keinen Orgasmus gehabt haben könnte?

Genügt er ihr nämlich nicht, und ist es am Ende auch nicht einmal er, der ihr den Hauptanteil ihrer – klitoral gewonnenen – Lust verschafft, – könnte sie dann auf den körperlichen Akt mit ihm und die vaginalen Friktionen nicht geradeso gut gleich verzichten? Hat die Evolution die Frauen zu Onanistinnen par excellence prädestiniert?

Eine durch die Onanie laut Hitschmann „einerseits in der Phantasiewahl ihres Objekts, andererseits vielleicht in Art, Rhythmus und Dauer des Befriedigungsaktes verwöhnte“ Frau könne von keinem Mann mehr befriedigt werden? Welche sinnlich empfindende Frau aber – und die anderen kommen hier nicht in Betracht – ist denn, schon während ihrer Jungfernschaft, eigentlich nicht solcherart durch die Onanie verwöhnt worden?

Die moderne Sexindustrie reagiert darauf, indem sie sogar sex toys, ,Sexspielzeug', wie sogenannte ,Vibratoren' auf den Markt bringt. Allgemein gesagt ist ein Vibrator ein meist batteriebetriebenes Ding aus Kunststoff oder Silikon, das meist, wie ein Dildo, einem erigierten Penis ähnelt und zur sexuellen Stimulierung bei der Masturbation oder auch partnerschaftlichen Liebe eingesetzt werden mag. Vibratoren werden überwiegend für die klitorale Stimulation gebraucht, können aber auch in die Vagina eingeführt, bei Mann und Frau anal verwendet werden oder andere als erogen empfundene Körperstellen wie die Nippel oder Hoden stimulieren. Die durch einen Motor elektrisch erzeugten Vibrationen, deren Geschwindigkeit und Stärke meist variierbar ist, können dem Vernehmen nach eine sexuelle Erregung bis zum Orgasmus bewirken.

Manche Frauen haben wohl eine ganze Kollektion davon. Wie eine Betroffene da gern in bestem schwäbelnden Kauderwelsch sagt: „Was kannsch mache, wenn d'Natur schaffet?“...

Und höchst auffallend, wie da plötzlich auch eingeschworene Katholikinnen sich ganz auf die anarchisch evolutionäre Natur anstatt ihres vermeintlichen Schöpfers berufen!

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