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  • freudholdriesenhar

Hält der Koitus, was die Onanie verspricht – 2?

Blog 126


In meinem ,Heines Weg nach Paris' macht der Protagonist Harry ein ausgefallenes libidinöses Experiment. Wie wäre es, wenn er in dem Zustand sexuellen Rausches, in den er sich durch die Masturbation gebracht hat, wenn sein Geschlecht auf äußerste Weise erregt und wie in ,Lolita' die tiefe, heiße Süße gesichert und auf gutem Wege zur äußersten Verzückung ist, – wie wäre es, wenn er sich gerade im Augenblick dieses Zustands einmal mit einem käuflichen Flittchen vereinigte?

Würde seine phantasiebedingte Ekstase sich an ihren realen Leib heften, organisch damit verschmelzen, kontinuierlich aufrechterhalten, fortsetzen, steigern und bis zur Kulmination eskalieren lassen? Können ausschweifende Phantasie und Körper beim Sex jemals in Konkordanz gebracht werden, oder bleiben es zwangsläufig stets und unwiderruflich zwei so disparate heterogene Sphären, wie wenn man aus einer dampfenden Sauna unter die kalte Dusche kommt?

Die käufliche Dame müsste ihn aber persönlich heimsuchen, da er sich bei ihr aufgrund fehlender Zeit und seiner erotischen Motive ja niemals direkt in jenen Zustand extremer Erregung bringen könnte – ganz abgesehen davon, wie peinlich es wäre, sich in Gegenwart der Sylphe erst selber so aufgeilen zu müssen –, und bevor er durch den Verkehr der Stadt zu ihr gelangte, wäre seine Erregung längst wieder abgeflaut, ermattet, verflogen, dahin. Er müsste eines der so genannten Callgirls oder Hostessen, deren Adressen in Studentenkreisen kursieren, zu einer bestimmten Zeit zu sich nach Hause bestellen, sich minutengenau auf ihre Ankunft einstellen, und, so präpariert, sie gleich bei der Ankunft besteigen. Die Dame muss sehr pünktlich sein, damit er nicht den zielgenauen Zeitpunkt verpasst.

Dit et fait. Er wählt die eine oder andere der einschlägigen Adressen oder macht den Handel im Café auf dem Campus der Universität, das er als bevorzugten Aufenthalt studentenfreundlicher Liebesdienerinnen kennt, und wählt die Hostess, die ihm dafür geeignet scheint – Melissa, ein relativ unbedarftes, sanftes, sichtlich botmäßiges und gefügiges Geschöpf. Er lässt sich versichern, dass sie untenrum nicht rasiert ist, da ihm die sterile Glattheit dem archaischen Charakter des Sexus immer etwas unangemessen scheint.

Er bestellt sie für den entsprechenden Aufpreis zu einem genauen Zeitpunkt vormittags, da er noch konzentriert ist, zu sich nach Hause; dies zusammen mit dem Hinweis, dass sie unbedingt pünktlich und bereit sein solle, dass er sie gleich im Morgenmantel mit bereits erigiertem, zum Sex bereiten Geschlecht empfangen werde. Er habe zwischen zwei dringlichen Terminen bloß wenig Zeit und daher keine Sekunde zu verlieren. Sie sieht ihn seltsam befremdet an, verspricht aber auf Ehrenwort, genau zur vereinbarten Zeit zur Stelle zu sein. Errät sie sein hintersinniges Komplott? Ist ihr dergleichen vielleicht schon des Öfteren passiert?

Unwahrscheinlich! Doch ist dadurch, dass man so übereinkam, die ganze Sache geritzt und geschmiert.

Zu Hause beginnt er, anhand geeigneter Vorlagen, an denen es nicht mangelt, sich über eine Stunde vor der Zeit zu erregen. Dass er sich zu einem vorbestimmten Zeitpunkt, gleichwie auf Kommando, in den toxischen Rauschzustand bringen muss, tut seiner Stimmung etwas Abbruch, so dass es etwas zäher anläuft als sonst. Er stimuliert sich anhand seiner üppigsten Erotika fast bis an den Rand des Orgasmus – und schafft es nur durch äußerste Selbstbeherrschung, im letzten Augenblick nicht übers Ziel hinaus zu schießen, andernfalls er die bestellte Dame ja unverrichteter Dinge wieder hätte wegschicken müssen.

Dann befindet er sich mit strotzend erigiertem Glied und vom Elixier der Lust geölter Glans, ganz wie in dem modernen Roman, auf „einer Seinsebene, wo nichts gilt außer dem Lustgebräu, das in seinem Körper gärt. Was als genussreiche Dehnung seiner innersten Wurzeln begann, ist zum glühenden Prickeln geworden, das sich jetzt in einem Zustand absoluter Sicherheit, Zuversicht, Zuverlässigkeit befindet“ – ein Zustand, wie er beim realen Sex zwischen den Geschlechtern praktisch kaum erreicht werden kann.

Sein Gehirn ist durchsogen und durchtränkt von den endogenen Drogen und Opiaten der Lust. Nun, da die tiefe, heiße Süße gesichert und auf gutem Wege zur äußersten Verzückung mit der bestellten Kurtisane ist, erfüllt er genau die notwendigen Voraussetzungen für das Experiment.

Melissa erscheint, schon um nicht den zugesicherten Aufpreis zu riskieren, pünktlich auf die Minute. Schon beim Öffnen der Tür gibt er sich keine Mühe, seine sich unterm Morgenmantel sichtlich bauschende Erregung vor ihr zu verhehlen. Im Gegenteil: Noch während sie sich, laut beschlossenem Kontrakt, auf der Stelle entkleidet und ihre Sachen über den Stuhl legt, nimmt er seinen Ständer aus dem halb geöffneten Mantel.

„Wir haben extrem wenig Zeit“, erklärt er und bittet sie, sich laut Kontrakt gleich selbst für sein Eindringen bereit zu machen. Er sieht sich animierend zu, wie sie ihre Finger bespeichelt und sich im Schritt befühlt, und überzeugt sich zur Genüge von ihrer Bereitschaft. Erst als sie bereits nackt, mit geschlossenen Schenkeln und fingernd eingespeicheltem Schoß für ihn bereit auf dem Bett seiner wartet, bemerkt er, dass ihr dicht behaarter Busch an archaischem Appeal nichts zu wünschen offen lässt. Er wirft den Morgenmantel von sich und führt ihr, die Hand an der Wurzel, seinen nun prall strotzenden, purpurn angelaufenen, von Präejakulat triefenden, dem Bersten nahen Schaft vor Augen. So, wie er sie vorab instruiert hat, kann sie davor keine besondere Aversion mehr haben.

Er kniet sich neben sie aufs Bett und hockt, die Hand an der Wurzel, auf seinen Fersen wie der Maharadscha auf einer seiner indischen Illustrationen. Sein praller Schaft ragt ihr gleichwie ein mit heißer Butter beträufelter Lingam entgegen, steil wie eine äthiopische Phallus-Stele oder der stählerne Phallus beim japanischen Kawasaki-Kanamara-Fest.

Wieder scheint Melissa etwas befremdet – als sei sie gleichsam überrascht, wieso und warum er sie in dem sichtbar ekstatischen Zustand zu seinem endgültigen Genüge überhaupt noch braucht. Die Situation ist augenfällig asymmetrisch: Siedet seine Milch schon nahe am Überkochen, brennt bei ihr, ließe sich sagen, noch nicht einmal das Feuer im Ofen. Er nimmt sich daher, als er nach einiger zusätzlicher Masturbation sanft in sie eindringt, vor, noch so lange in ihr zu verzögern, als er seinen gespannten Zustand aufrechtzuerhalten vermag.

Was aber dann? Wie geht es weiter?

Ich habe das exotische Experiment persönlich nicht gemacht und kann daher nichts Bestimmtes über seinen Fortgang sagen. Es gibt, scheint mir, zwei mögliche Varianten von Harrys Experiment, und wir sind nicht versiert oder erfahren genug – und müssen es dem Befinden der versierteren Leser überlassen –, welche davon den wahrscheinlicheren, wirklichkeitsnäheren Umständen entspricht?

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