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Der weibliche Orgasmus in der männlichen Phantasie – 4?

Blog 48


Und lassen, last but not least, nicht auch die Liebesszenen im modernen Film die Lust der Geliebten nicht außen vor und an ihrer ekstatischen Klimax keinen Zweifel?

Wie anders wäre die Großaufnahme von Hedy Lamarr in Gustav Machatýs ,Ekstase' von 1933 zu deuten, wenn sie unter geschlossenen Lidern, mit weit offengehaltenem Mund und weiß bloßliegenden Oberzähnen ganz ihrer Lust hingegeben, nach einer Reihe schweratmender, bebender Erschütterungen plötzlich beide Unterarme so zusammenpresst, dass nunmehr ihr Gesicht, das man sich nur noch vor Lust vergehend vorstellen kann, ganz darunter verschwindet, im selben Augenblick ihre Perlenkette gleichwie ihrer Jungfräulichkeit zerreißt und mit den losen Klunkern auf den flauschigen Bettvorleger kullert? „Der Film“, so Wiki, „erregte großes Aufsehen ob der Nacktszenen mit Hedy Kiesler, alias Hedy Lamarr, sowie einer Liebesszene, bei der die Kamera ihr in höchster sexueller Erregung darstellendes Gesicht in Nahaufnahme zeigt. Sie erlangte dadurch so große Bekanntheit, dass sie auch im Jahr 1937 noch nach Hollywood gehen konnte und als Hedy Lamarr ihre Karriere fortsetzte.“

Wie anders soll das Flittchen in Ingmar Bergmans ,Das Schweigen' von 1963, das im Kinostuhl mit gespreizten Schenkeln und fliegenden Brüsten ihrem Beschäler vaginal aufsitzt, sich so frenetisch im Orgasmus aufbäumen können? Wiki: Als anstößig wurden der Liebesakt eines Paares, der Verkehr Annas mit einem Fremden und die Masturbationsszene der älteren Schwester angesehen.

Und die orgiastisch orgasmierende junge Nadine Sallanches in Alain Renais' ,Der Krieg ist vorbei', als sie sich mit weit auseinandergenommenen Mädchenbeinen Diego Mora – alias Yves Montand – hingibt?

Und woher gleich im selben Film auch noch das ekstatische Hin- und Herwerfen des Kopfes seiner Geliebten, Marianne, das unter betörend ätherischer Musik ihre äußerste sexuelle Wollust kinästhetisch abbilden soll?

Ja, in Bergmans ,Schweigen' nimmt man der schwindsüchtigen Ester, die sich selbst im weißen Höschen – vermutlich klitoral – befingert, einen überzeugenden Orgasmus ab, – aber das zählt nicht, diese Art der Selbstbefriedigung ist keine Kunst, das ist dunkle süße Onanie, bei der sie von keines Mannes störendem Dazwischentreten (mit Simone de Beauvoir's Wort) aus dem Gleis gebracht wird!

Hat nicht aber auch die wunderschöne Marian – alias Julie Christie – in ,Der Mittler' von Joseph Losey ihre sexuelle Klimax, wenn sie auf dem Stuhl mit gespreizten Schenkeln mänadisch dem Pimmel Teds – alias Alan Bates' – aufsitzt? Man müsste es wahrhaft in Leslie Poles Hartleys Romanvorlage ,Der Zoll des Glücks' oder ,Ein Sommer in Brandham Hall' oder Harold Pinters Drehbuch nachlesen können!

Und scheuert die schöne Julie sich nicht auch alias Laura Baxter in ,Wenn die Gondeln Trauer tragen' ekstatisch auf ihres Manns John – aka Donald Sutherland – Pimmel reitend, sich selber bis zum Orgasmus? Man munkelte schon, die Szene mit Julie und Donald sei nicht nur gespielt gewesen. Der Film ist vom Inhalt her der größte Nonsens, den man sich denken kann, aber wen interessiert schon der Inhalt, wenn man Julie sich splitternackt darin exhibitionieren sieht?

Windet Juliette Binoche in Louis Malles ,Verhängnis' sich nicht wollustheischend wie das Männchen der Gottesanbeterin auf Jeremy Irons Schenkeln?

Wird nicht demagogisch auch in Samperis ,Malizia', während draußen ein Learsches Gewitter tobt und der pubertierende Nino in Angelas – alias Laura Antonellis – üppigen Schoß abdrückt, durch den frühreifen Schwengel des Jungmanns auch ihrerseits ein Orgasmus insinuiert?

In ,Casse-tête chinois' – ,Beziehungsweise New York' – 2013 fallen Xavier – Romain Duris – und Martine – Audrey Tautou – nach der Kopulation so dionysisch befriedigt auseinander, als hätte der orgasmische Blitz ihnen das ganze Gehirn aus dem Kopf geblasen. In Wahrheit kann es, soweit es sich auf den Vaginalverkehr beschränkte, zumindest auf Seiten Martines nicht mehr als ein müder Abgang gewesen sein.

Etc. pp. Wir kämen zu keinem Ende, wollten wir die im zeitgenössischen Kintopp fingierten weiblichen vaginalen Orgasmen erschöpfend auflisten.

So faken ausnahmslos all die unzähligen Schauspielerinnen, Stars und Starlets, die man im heutigen Film koitieren sieht; und de facto gibt es ja schon im Öffentlich-Rechtlichen kaum mehr einen zeitgenössischen Streifen, in dem nicht kopuliert wird. Und immer werfen sie im ultimativen Moment, da die Elixiere der Lust ihr Gehirn überschwemmen, mit orgasmischem Gestöhne und rollend verdrehten Augen den Kopf in den Nacken! …

Haben die männlichen Regisseure und Drehbuchautoren denn keinerlei realistische Vorstellung von der wahren weiblichen Lust? Oder glauben sie, sie zum Gaudium ihres naiven Publikums vorgaukeln zu müssen? Wie dumm muss man sein, um ihnen den Schmu abzunehmen? Mundus vult decipi, ergo decipiatur? Stets müssen auch die versiertesten Akteurinnen – Hedy, Ingrid, Laura, Geneviève, Audrey, Julie, Juliette... – unter manifester Verleugnung ihrer weiblichen Natur so tun, als orgasmierten sie beim Koitus geradeso wie die Männer.

Ist es nicht eine Beleidigung der Intelligenz der begabtesten Schauspielerinnen, sie auf diese Art schummeln zu lassen? „Sex und Kinder sind die beiden Themen, bei denen die Frauen am meisten lügen“, sagt Nathalie Weidenfeld. Und: Nichts prahlt so sehr wie die Lust, sagt Plato. Ihre eigentlichen klitoralen Höhepunkte dagegen, zu denen ihre wahre Libido sie befähigt, dürfen sie nicht einmal zeigen. Die Welt will getäuscht werden, also lasst sie uns täuschen! – wo gilt das mehr als für den medialen weiblichen Orgasmus?

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